Kirchentür und Schriftzug über das Bild gelegt: "Jakobuskirche Schönberg, Jakobusweg 3"

Die Innenausstattung der St. Jakobus-Kirche

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts bestimmte neben dem Jugendstil vor allem der Historismus die bauliche Gestaltung. Die 1901 vollendete Schönberger Kirche wurde als historistischer Bau errichtet und traf den Nerv der für den Kirchenbau Verantwortlichen. Man wollte sich von Altem, überkommen scheinendem lösen und aufbrechen zu etwas neuem, größeren und schöneren. Nichts desto trotz war man stolz, eine Geschichte zu haben und wollte sich entsprechend darstellen. Noch vorhandene historische Originale wurden als unwichtig oder sogar mehr noch, als kontraproduktiv abgelehnt und billig verhökert. So konnte der Architekt Bestelmeyer von der barocken Schlosskirche lediglich zwei der gotischen Glocken retten und in die Kirchenfassade integrieren – die zu Gunsten eines neuen Geläutes hätten eingeschmolzen werden sollen.

Diesem Zeitgeist entsprach der Historismus, bei dem auf ältere Stile zurückgegriffen wurde bzw. mehrere miteinander kombiniert wurden. Die Schönberger St. Jakobus-Kirche wurde im neugotischen Stil erbaut. Wie beim Gebäude selbst, ahmte man auch bei der Inneneinrichtung die Formensprache vergangener Zeiten nach, um eine geschichtliche Gesamtwirkung des Neubaus zu schaffen. Speziell die Neugotik orientierte sich an einem idealisierten Bild des Mittelalters. So verweist die Schönberger Kirche neben den gotischen Spitzbögen ihrer Fenster und Türen vor allem mit der Inneneinrichtung auf die Gotik. Der neu geschaffene Flügelaltar und auch der Schalldeckel der Kanzel waren mit üppig geschnitztem gotischem Gesprenge versehen, die Leuchter und der Deckel des Taufsteins griffen die Ornamente auf. Vor allem wollte man aber mit der Pfarrloge neben der Kanzel, der burgähnlich wirkenden Orgel, der geschnitzten Emporenbrüstung mit ihrem vorspringenden Erker samt Ritterhelm und Schild sowie den vielzähligen Wappen das idealisierte Bild des ritterlichen Mittelalters im Inneren der Kirche zum Leben erwecken.

Setzt man sich mit den Details der Innenraumgestaltung ein wenig auseinander, fallen darüber hinaus unweigerlich die vielfältigen Weinreben, -trauben und -blätter auf. Sie finden sich in Holz geschnitzt an den Seiten der Kirchenbänke, aus buntem Glas in den Fenstern, in Stein gehauen um den Taufstein und als Sockel der Jakobus-Figur, in Metall getrieben und geschmiedet im Treppengeländer zur Empore, in den Türbändern und sogar in den unterschiedlich geformten Türklinken wieder.

Zum 60-jährigen Bestehen der Kirche ließ man ihr eine umfassende Renovierung angedeihen. Dabei wurde im Inneren „alles unzeitgemäße Beiwerk entfernt“. Während das Gestühl und die Kanzel von der dunklen Farbschicht befreit wurden, verlor der Chorraum seine Holzvertäfelung sowie Kanzel und Altar ihr gotisches Gesprenge. Die Abdeckung des Taufsteines und die Beleuchtung wurden erneuert, aber auch eine zeitgemäße Beheizung eingebaut. Dieser Zustand ist heute noch weitestgehend erhalten und wurde über die Jahrzehnte lediglich um einzelne Details ergänzt.

Von A bis Z – Erfahren Sie hier alles über die Jakobuskirche

Altar

Der Altaraufsatz der St. Jakobus-Kirche ist im gotischen Stil eines Flügelaltares gestaltet und wurde nach Entwürfen von Prof. Schmitz in der Nürnberger Kunstschreinerei Stettner gefertigt. Ursprünglich war über dem Retabel ein gotisches Gesprenge mit Gottvater-Büste angebracht, welches 1961 entfernt wurde und den Blick auf das dahinterliegende Chorfenster freigab.

Im Zentrum des Retabels steht die Kreuzigung. Der rechte Flügel zeigt die Geburt Jesu’, auf dem linken ist die Begegnung des Auferstandenen mit Maria Magdalena zu sehen. Die Außenseiten der Flügel sind unbemalt, da eine Wandlung des Altares zur Bauzeit nicht vorgesehen war. Die Altarbilder stammen vom Kunstmaler Christian Bär, Nürnberg. Er hatte in seinem ersten Entwurf für die Altarflügel Abbildungen der Apostelbrüder Jakob und Johannes vorgesehen, die aber nicht ausgeführt wurden.

In die Predella ist ein Relief des heiligen Abendmahls eingelassen, an dessen Stelle bis 1961 eine Tafel mit der Inschrift „Die Strafe liegt auf ihm, auf daß wir Frieden hätten, und durch seine Wunden sind wir geheilt.“ angebracht war.

Die Mensa ist aus massivem Sandstein gemauert. Das Altarkreuz aus dem Jahr 1969 besteht aus Metall und Glas.

Renovierter Altar geschmückt mit Sonnenblumen, behängt mit Parament und Kerzenständern zu den Seiten
Taufstein

Der Taufstein des Nürnberger Bildhauers Albert ist aus Wendelsteiner Sandstein gefertigt. Umrankt wird er von Weinblättern und Trauben. Sein ursprünglicher Holzdeckel im gotischen Stil wurde in den 1960ern durch einen Kupferdeckel ersetzt, dessen vier Griffe mit Emaille-Medaillen geziert sind. Diese zeigen die vier Paradiesflüsse Euphrat, Pison, Gihon und Hidekel entsprechend dem 1. Buch Moses 2, Vers 10–14: „Und es geht aus von Eden ein Strom, den Garten zu bewässern, und teilt sich von da in vier Hauptarme. Der erste heißt Pischon, der fließt um das ganze Land Hawila und dort findet man Gold; und das Gold des Landes ist kostbar. Auch findet man da Bedolachharz und den Edelstein Schoham. Der zweite Strom heißt Gihon, der fließt um das ganze Land Kusch. Der dritte Strom heißt Tigris, der fließt östlich von Assyrien. Der vierte Strom ist der Euphrat.“

Taufstein geschmückt mit Blumen
Kanzel

Auch die Kanzel ist ein Werk der Kunstschreinerei Stettner in Nürnberg. Das gotische Gesprenge des Schalldeckels wurde 1961 entfernt. Im Zentrum seiner Unterseite symbolisiert eine Taube den heiligen Geist, umgeben von der Inschrift „Wer das Wort verachtet der verderbet sich selbst wer aber das gebot fuerchtet dem wirds vergolten 13 13“. Auch die Brüstung des Kanzelaufgangs weißt neben ornamentalen Schnitzereien einige Inschriften auf, von denen diese eine den Prediger beim Hochsteigen der Stufen an seinen Auftrag ermahnt „trachtet nach dem was droben ist kol 3,2“.

Kanzel
Sakristei

Über dem inneren Eingang vom Chor zur Sakristei ist das bayerische Wappen in Stein gehauen. Daneben ein zweites mit einfachem Schrägbalken von links oben nach rechts unten. Möglicherweise handelt es sich dabei um eine vereinfachte Form des Stadtwappens von Ansbach.

Die Sakristei ist mit einer Holzkassettendecke ausgestattet. Ein dreiteiliges Butzenfenster ist mit einem Kelch geschmückt, der das Blut Christi symbolisiert.

Die bauzeitliche Einrichtung der Sakristei wurde vom Kunstschreiner Stettner in Nürnberg geschaffen. Der dazugehörige Paramentenschrank ist nicht mehr vorhanden.

Kirchenfenster in der Sakristei. Zeigt einen goldenen Kelch umrandet von Weinreben und Trauben in der Fensterscheibe
Orgel

Die Orgel mit zwei Manualen und je 12 Registern wurde 1901 in der Orgelbau-Anstalt Johannes Strebel in Nürnberg gefertigt. Ihr Korpus erinnert an eine Burg und trägt die Inschrift „Singet dem Herrn ein neues Lied. Psalm 98V1“.

Johannes Strebel erlernte sein Handwerk in verschiedenen Werkstätten. Darunter Steinmeyer in Oettingen und Aristide Cavaillé-Coll in Paris. 1884 machte er sich in Nürnberg mit einer eigenen Werkstatt selbstständig. Cavaillé-Coll überführte die klassische Orgel durch intensive akustische und technische Forschungen zum expressiven Instrument. Diese Bautechnik führte Strebel weiter.

In der Orgelbau-Anstalt Johannes Strebel entstanden rund 170 meist kleinere Orgeln für Dorfkirchen, von denen noch etwa die Hälfte erhalten ist. Fast alle wurden im Lauf der Zeit für Bachmusik umgebaut und verloren dadurch ihre charakteristische Disposition und büßten aus heutiger Sicht an Klangqualität ein. Die Schönberger Orgel ist weitestgehend im Originalzustand erhalten. Lediglich die Prospektpfeifen wurden durch neue ersetzt und eine elektrische Luftversorgung eingebaut. Die St. Jakobus-Kirche in Schönberg verfügt über die Seltenheit einer Strebel-Orgel, die noch in ihrer ursprünglichen Klangqualität zu hören ist.

Orgelpfeifen
Pfarrloge

Bereits im vorherigen Gotteshaus, der barocken Schlosskirche, waren drei „Chörlein“ vorhanden, welche für die Familien des Pfarrers, des Forsteiförsters und des Schullehrers vorgesehen waren. Ein älterer Kirchenstuhlplan bezeichnet diese als „Pfarr-Sitz“, „Försters-Sitz“ und „Gitter-Sitz“. Naheliegend, dass letzterer bis zur Auflösung des Vogtamtes für den Vogt bzw. Amtmann mit Familie bestimmt war und erst in späterer Zeit an den Lehrer überging.

Auch die 1901 erbaute Pfarrkirche erhielt wieder einen solchen „Herrschaftsstand“. Ein weiteres Stilmittel des Historismus, um einen losen Bezug auf die eigentliche Geschichte herzustellen. Der Pfarrer, unter dem das Schloss abgebrochen und die neue Kirche errichtet wurde, konnte so den exklusiven Komfort für seine Familie in die neue Kirche hinüberretten. Sie saßen darin bei der Predigt unmittelbar auf Augenhöhe des Pfarrers. Einen Einblick in den Altarraum bietet dieser extravagante Platz in der Kirche jedoch nicht. Zur Bauzeit wurde dieses Chörlein „Pfarrloge“ genannt, durchgesetzt hat sich allerdings die sicherlich etwas spöttische Bezeichnung „Pfarrkämmerla“. Benutzt wird dieser Platz im vorgesehenen Sinne schon lange nicht mehr.

Die Brüstung der Pfarrloge zeigt in Stein die Nachbildung eines Reliefs von Adam Kraft „Das Schweißtuch der Veronika“.

Kirchenfenster

Die Fenster der Schönberger Kirche mit gotischem Maßwerk sind in den Glasflächen mit verschiedenen Glaubenssymbolen farbig gestaltet, darunter immer wieder Weinblätter und Trauben. Auffallend sind die insgesamt sieben Wappenschilde, die in die Fenster des Kirchenschiffes eingearbeitet sind.

Die vier Fenster der Westseite des Kirchenschiffes sollen nach Entwürfen des Kunstmalers Hermann Schwabe in der Glasmalereianstalt Gussner in Nürnberg gefertigt worden sein. Die übrigen Kirchenfenster entstammen dem Atelier des Glasmalers Josef Scheppach in Nürnberg:

Das zentrale Chorfenster zeigt farbenprächtig die Auferstehung Christi. Flankiert wird es von zwei ornamentreichen Teppichfenstern. Die Chorfenster entfalten ihre Wirkung in den frühen Abendstunden, wenn von Westen etwas Sonnenlicht in den nach Norden ausgerichteten Chorraum fällt.

Von vielen als schönstes Fenster der Kirche empfunden wird eines der kleinsten. Das Fenster des guten Hirten versteckt sich in der Pfarrloge und kann nur von der Empore gegenüber betrachtet werden.

Auch das größte Fenster der Kirche ist von innen nicht zu sehen. Es liegt im Südgiebel über dem Eingang und wird innen durch die Orgel verdeckt. Seine künstlerische Ausgestaltung bleibt so im wahrsten Sinne des Wortes „im Dunkeln“ verborgen.

Kirchenfenster zeigt den Guten Hirten und Schafe

Die Wappen in den Kirchenfenstern

In die Kirchenfenster sind mehrere Wappen eingearbeitet, die allesamt frei erfunden wurden und lediglich zur historistischen Ausschmückung der Kirche dienen sollten.

Die östlichen Fenster des Langhauses zeigen Wappen der beiden Reformatoren Martin Luther und Philipp Melanchthon mit den Inschriften „D. Martin Luther 1583–1546“ und „Philipp Melanchthon 1497–1560“.

Die westlichen Fenster des Kirchenschiffes zeigen auf Höhe der Empore Wappenschilde der maßgeblich am Kirchenbau beteiligten: Zimmermeister Georg Taubmann, Baumeister Christian Schaetz, Oberleiter des Kirchenneubaues kgl. Bauamtmann Franz Müller, Bauleitender Architekt R. Neithardt, Fertiger des Entwurfes German Bestelmeyer.

Kirchenfenster Melanchthon
Jakobus-Figur

Vom linken Rand des Chorbogens blickt die Figur des Jakobus’ in das Kirchenschiff hinein. Weil bei der Ausstattung der Kirche viel Wert auf die historische Anmutung, jedoch nicht auf die Authentizität der einzelnen Stücke gelegt wurde, stellt die Figur nicht den gewünschten Kirchenpatron Jakobus den Älteren (Sohn des Zebedäus) dar, sondern Jakobus den Jüngeren (Sohn des Alphäus). Geliefert wurde die Figur von der Mayer’schen königlichen Hof-Kunstanstalt für Kirchliche Arbeiten in München.

Jakobus d. J., Sohn des Alphäus und ebenfalls einer der Apostel, soll um 62 n. Chr. von der Jerusalemer Tempelmauer aus seinen christlichen Glauben widerrufen. Weil er sich weigert, wird er von der Mauer gestoßen und von einem Tuchwalker mit dessen Handwerkszeug erschlagen. Die eigentliche Walkerstange wurde in der religiösen Darstellung allmählich von einem Woll- oder Fachbogen abgelöst, wie ihn auch der Schönberger Jakobus bei sich führt. Mit Darmsaite bespannt, wurde dieser von Tuch- und Hutmachern zum Zerfasern der Wolle verwendet.

Der Sockel dieser Jakobus-Figur wurde von einem Bildhauer zum Weinstock ausgearbeitet. Dieser ist im Sinne von „Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben“ ein Symbol für die Verbundenheit zwischen Christus und den Gläubigen. Bei genauer Betrachtung des Sockelsteines findet sich aber auch ein Hinweis auf die Gefährdung dieser Verbundenheit: Der Künstler hat in den Weinstock mehrere Ratten eingearbeitet.

Jakobus-Statue steht auf einem Steinsockel
Jakobus-Zyklus

Der Schönberger Jakobus-Zyklus ist eine 2018 angefertigte Reproduktion von vier Gemälden aus der Jakobuslegende sowie einer Jakobusstatue. Im Original handelt es sich um die Flügelaußenseiten und die Schreinfigur eines spätgotischen Altares, welcher 1495 für die Kapelle des Schönberger Schlosses angefertigt wurde und in den Schönberger Gotteshäusern über 400 Jahre lang zu Hause war. 1901 wurde der Tragaltar mit weiteren Einrichtungsstücken der alten Schlosskirche an einen Antiquitätenhändler verkauft. Danach hatte sich seine Spur für lange Zeit verloren, bis er 1995 in der Herz-Jesu-Kirche im Markt Feucht „wiederentdeckt“ wurde. Der Jakobus-Zyklus bringt so den eigentlichen Namensgeber und ein Stück Schönberger Geschichte in die Kirche zurück. Als Reproduktion schließt er auf fast schon ironische Weise den Bogen zur restlichen historistischen Einrichtung.

Der Meister dieser zwischen 1493 und 1495 wohl in einer Nürnberger Werkstatt entstandenen Gemälde ist nicht bekannt. Oberflächliche Vermutungen stellten Johann Wagner (später als Hans von Kulmbach bekannt) zur Diskussion. Details der Bemalung weisen Ähnlichkeiten mit dem Rochusaltar in der Nürnberger Lorenzkirche auf. Aber auch bei diesem ist der Meister unbekannt.

Einen auführlichen Artikel zur Geschichte des gotischen Jakobusaltares finden Sie in der Zeitschrift „Unterwegs“ der Fränkischeen Jakobusgesellschaft, Ausgabe Nr. 106 – Januar 2018, Seiten 23–37.

Jakobus verkündet das Evangelium

Das erste Gemälde zeigt den Apostel auf einer Kanzel. Wie die Jakobuslegende berichtet, habe sich Jakobus einige Jahre nach Christi Himmelfahrt in Spanien aufgehalten, um das Evangelium zu verkünden. Allerdings mit wenig Erfolg. Dieses Desinteresse wird im Bild durch die schlafenden und sich abwendenden Zuhörer ausgedrückt. Eine der im Hintergrund stehenden Personen – mit Bart, grünem Mantel und rotem Hut mit weißer Krempe – ist Herodes Agrippa I. Er findet sich noch in zwei weiteren Bildern. Da sich der König von Judäa nicht in Spanien aufgehalten hatte, bringt seine Anwesenheit gleichzeitig Jakobus’ Schicksal in Jerusalem in die Szene mit ein: Laut Legende wurde Jakobus bei einer Predigt in Jerusalem von Pharisäern überfallen und gefangen genommen. Herodes pflegte innenpolitisch eine Anpassung an das Judentum. Seine erhobene Hand signalisiert auf dem Gemälde die deutliche Ablehnung der christlichen Botschaft.

Gemälde: Jakobus predigt

Jakobus vor Herodes

In der zweiten Szene wird der gefesselte Apostel von zwei bewaffneten Wächtern vor den Thron Herodes Agrippas geführt. Der König von Judäa verurteilte ihn zum Tode. Einer Legendenvariante zufolge hatte Jakobus den Zauberer Hermogenes bekehrt, der darauf seine Zaubersprüche ins Meer warf und ebenfalls das Evangelium verkündete. Eine zusätzliche Begründung für das hohe Strafmaß. Die Ausgestaltung z.B. der Wachen erfolgte nach dem damals in Franken vorherrschenden Bild und nicht etwa danach, wie man sie sich zu Jakobus’ Zeiten in Jerusalem vorstellte. Die Schönberger, für die der Altar angefertigt wurde, sollten die Bedeutung der einzelnen Personen erkennen können und nicht über die judäische Mode informiert werden.

Gemälde: Jakobus' Richter

Die Hinrichtung des Jakobus

Apostel Jakobus wurde um das Jahr 44 n. Chr. in Jerusalem mit dem Schwert enthauptet. Auch in diesem Bild ist Herodes am linken Bildrand zu sehen. Nach der Legende heilte Jakobus auf dem Weg zu seiner Richtstätte einen Lahmen am Wegesrand. Ein Schriftgelehrter, der Jakobus am Seil führte, warf sich darauf zu dessen Füßen. Jakobus taufte ihn an Ort und Stelle. Der Bekehrte wurde zusammen mit Jakobus enthauptet. Die Doppelhinrichtung wird hier allerdings nicht gezeigt.

Gemälde: Jakobus vor Enthauptung

Der Leichenwagen des Jakobus

Das letzte Bild zeigt einen Sarg auf einem Wagen, der von zwei Ochsen gezogen wird. Über den Rindern ist ein Engel dargestellt, im Hintergrund eine Stadt. Laut Legende wurde Jakobus’ Leichnam wilden Tieren zum Fraß vorgeworfen. Seine Jünger sammelten die Überreste ein und brachten sie auf ein Schiff, das eine Woche später an der Küste Galiciens landete. Dort suchten sie nach einem Platz für ein Grabmal. Die Spanier – immer noch heidnisch – verwehrten ihnen das Begräbnis eines Christen. Schließlich kamen sie zum Palast der Königin Lupa, die ihnen arglistig zwei Ochsen anbot. Dort, wohin diese den Sarg brächten, dürften sie ein Grab errichten. Die Ochsen waren jedoch wilde Stiere. Nach dem Plan der Königin sollten sie den Leichenwagen umstoßen und die Jünger zertreten. Als die Stiere sich den sterblichen Überresten des Heiligen näherten, wandelten sie sich in zahme Ochsen. Diese „Zähmung“ symbolisiert im Bild der Engel über den Rindern. Sie brachten ihre Fracht unversehrt in den Palast der Königin, die sich ob des Wunders zum Christentum bekehrte und den Palast zum Jakobusgrab mit Kirche umbauen ließ.

Gemälde: Leichenwagen mit Ochsen

Jakobus als Pilger

Mittelstück des Jakobus-Zyklus ist eine Abbildung der spätgotischen Jakobusstatue aus dem Altarschrein. Ein Hut mit Jakobsmuschel, ein Pilgerstab und Mantel zeichnen den Apostel als Pilger aus. Zudem ist er mit Schuhen oder Stiefeln ausgestattet; obwohl Jesus, Maria und die Apostel für gewöhnlich barfuß gezeigt werden, um Demut und Selbsterniedrigung auszudrücken. Ein Pilger ohne festes Schuhwerk wäre jedoch unglaubwürdig gewesen. Im ausgehenden Mittelalter mussten solche Informationen weitgehend über Bilddetails transportiert werden, denn kaum jemand konnte lesen. Die Darstellungsweise als Pilger hatte sich zwischen dem 12. und 14. Jahrhundert mit steigender Pilgerzahl etabliert. Jakobus, Schutzpatron der Pilger, sollte als einer von ihnen erkannt werden.

Konsolsteine des Chorgewölbes

Während die beiden mittigen Konsolsteine des Chorgewölbes die sich in der Kirche häufig wiederfindenden Weinmotive aufgreifen, zeigen die beiden äußeren zwei verschiedene Köpfe. Nach mündlicher Überlieferung sollen diese Portraits den Architekten German Bestelmeyer (rechts) und den Zimmermann Georg Taubmann (links) darstellen.

Konsolstein Georg Taubmann
Konsolstein German Bestelmeyer
Gestühl und Emporenbrüstung

Das Gestühl im Chörlein und die geschnitzten Seitenteile der Kirchenbänke sind ein Werk des Nürnberger Kunstschreiners Valentin Herrmann. Auch hier wiederholen sich die in der Schönberger Kirche typischen Weinmotive. Die übrigen Teile des Kirchengestühls wurden von den einheimischen Schreinermeistern Heckel aus Schönberg sowie Burkhardt und Meidinger aus Lauf gefertigt.

Prägend für die Wirkung des seit der Renovierung im Jahr 1961 schlichten Innenraumes ist vor allem das geschnitzte Maßwerk der Emporenbrüstung. Gegenüber dem Altarraum und der Kanzel springt sie mit einem kleinen Erker hervor, der geziert mit Wappenschild und Ritterhelm vor der burgähnlichen Orgel auch beim Hinausgehen noch einmal die gewollte mittelalterliche Wirkung erzielt.

Kirchenschiff und Emporenbrüstung
Wappenschilde

Das Wappen der Hohenzollern

Über der Pfarrloge findet sich ein Wappenschild mit der Inschrift „Hohenzollern-Wappen Anno dom. 1501“. Es wurde vom Bildhauer Josef Albert in Nürnberg zum Kirchenneubau geschaffen und sollte die Tradition der alten Schlosskapellen fortsetzen. Darin befand sich unter anderem ein Wappenschild der Markgrafen von Brandenburg-Ansbach aus dem Haus der Hohenzollern. Dieses historische Original wurde jedoch zur Bauzeit der Kirche verkauft.

Das Stammwappen der Hohenzollern zeigt einen in Silber und Schwarz gevierteilten Schild – die sogenannte Zollernvierung. Darüber befindet sich ein Helm mit schwarz-silberner Helmdecke. Darauf ein Brackenkopf, wieder in Silber und Schwarz geviertelt. Die Bracke symbolisiert seit dem Mittelalter die Jagdgerechtigkeit. Das Hohenzollern-Wappen in der Schönberger Kirche greift diese heraldische Gestaltung bis auf einige Nuancen in der Farbgestaltung auf. Der Bezug der Jahreszahl 1501 ist nicht nachvollziehbar.

Wappen der Hohenzollern

Das Wappen von Schönberg

An der Seitenwand der Empore, links vom Chorraum befindet sich ein weiteres Wappenschild vom Bildhauer Josef Albert mit der Inschrift „Wappen von Schoenberg · A. D. 1521“. Es wurde ebenfalls um 1901 neu geschaffen. Es sollte wohl an die Reichsministerialen erinnern, die sich im 13. und 14. Jahrhundert auf der Schönberger Burg befanden und sich nach diesem Ort benannten. Bei einer recht oberflächlichen Recherche fand man schließlich ein Wappen des sächsisch-thüringischen Adelsgeschlechts von Schönburg und deutete es kurzerhand auf Schönberg um.

Das Stammwappen des edelfreien Adelsgeschlechts von Schönburg an der Saale zeigt einen in Rot und Silber schrägrechts geteilten Schild mit zwei oder drei roten Schrägbalken. Auf dem darüber befindlichen Helm ist ein Flug (Flügelpaar), der wie das Schild rot-silber bezeichnet ist. Ebenso zeigt sich die Helmdecke (Helmzier) rot-silbern.

Ein Wappen, welches die Reichsministerialen von Schönberg oder den Ort an sich repräsentierte, hat es nach bisherigem Forschungsstand zu keiner Zeit gegeben.

Schönberger Wappen
Gedenktafel für Gefallene 1870-1871

Im Kirchenraum befindet sich eine Gedenktafel aus schwarzem Glas mit goldener Schrift für die Gefallenen des Deutsch-Französischen Krieges von 1870–71. Sie wurde 25 Jahre nach Kriegsende von S. Schneider in Nürnberg hergestellt, nachdem 1872 bereits eine „Friedenseiche“ zur Feier des Sieges auf dem Friedhof gepflanzt wurde. Mutmaßlich ist sie aus der alten Schlosskirche in den Neubau übernommen worden, während die Gedenktafeln für die Gefallenen der beiden Weltkriege später in der Friedhofskapelle angebracht wurden. Ihre Inschrift lautet:

Zum Gedächtnis der im Kriege 1870–71 Gefallenen der Gemeinde Schönberg.
Kellner, Gg., Gemeiner, gef. Bei Beaumont am 30. Aug.
Wild, Christian, Leutnant, gef. Bei Sedan am 1. Septbr.
Wild, Heinr., Leutnant, gef. Vor Paris am 13. Oktbr.
Weber, Joh., Gemeiner, gef. Bei Coulmiers am 9. Nov.
Gewidmet von der dank. Gemeinde Schönberg im Sept. 1896

Gedenktafel für Gefallene 1870-1871
Modell des Schönberger Schlosses

Im Vorraum der Kirche ist ein Modell des Schönberger Schlosses zu sehen. Es wurde um 1940 von dem Schönberger Schüler Georg Weber gefertigt und zeigt den Zustand am Ende des 19. Jahrhunderts. Für seine Arbeit konnte sich der Schüler nur auf die wenigen noch vorhandenen Abbildungen des Schlosses und mündliche Augenzeugenberichte stützen. Die originale Bemalung wurde in jüngerer Zeit überstrichen.

Zeichnung des Schönberger Schlosses