Heiliger Abend in Schönberg

Dem damaligen Geschehen in Bethlehem ganz nahe fühlten sich Pfarrerin Gabriele Geyer, die darstellenden Familien und Besucher des Wiesenweihnachtswichtelgottesdienstes in der Kirchengemeinde Schönberg.

Am Fuße des Moritzberges hatte Familie Lehr ihre Scheune zur Verfügung gestellt als Unterkunft für die Heilige Familie. Überall roch es nach Heu und Stroh, die Scheunentore waren der Bühnenvorhang, der Platz vor der Halle, der für die Besucher nach Sicherheitsvorschriften ausgestaltet war, matschig und voller Pfützen. Auch Maria und Joseph hatten sich die Geburt ihres Kindes wohl anders vorgestellt. Aber die jungen Familien, die sich rechtzeitig für den Gottesdienst angemeldet hatten, störte das nicht. Niemand hat wegen des Wetters abgesagt, alle waren nur froh, dass die Kinder sich an der Weihnachtsgeschichte erfreuen konnten. Da leider nicht gesungen werden durfte, sorgten Elisa Geyer und Florian Bergthold für die musikalische Ausgestaltung des Gottesdienstes. Am Ende bekam jedes Kind ein selbstgebasteltes Licht für die Weihnachtszeit mit nach Hause.

Am Nachmittag gestaltete Pfarrerin Geyer an 6 großen Plätzen im Dorf Kurzgottesdienste. Sie wurde dabei musikalisch unterstützt von einem kleinen Bläserensemble. Als Am Ende das Lied „Stille Nacht, Heilige Nacht“, erklang, läuteten jeweils alle Glocken des Sechsergeläuts, die somit den ganzen Nachmittag mit ihrem Klang die Weihnachtsfreude verbreiteten. Alle Besucher an den Stationen hatten sich vorher angemeldet und sich vorbildlich an die geforderten Sicherheitsbestimmungen gehalten, die von Sicherheitsteams überwacht wurden. Sehr viele hörten auch von ihren Fenstern, Balkonen oder Gärten aus zu. So konnte in diesem außergewöhnlichen Jahr dennoch „das Licht von Weihnachten“ weitergegeben und viele Menschen erreicht werden. Pfarrerin Geyer war es ein tiefes inneres Anliegen, die Weihnachtsbotschaft nicht im Dunkel der aktuellen Geschehnisse verstummen zu lassen, sondern als Kraftquelle, als Licht der Hoffnung zu den Gemeindegliedern zu bringen.

Die Christmette wurde zum ersten Mal online ausgestrahlt.

Als dann noch der Lockdown kam, andere Kirchengemeinden um uns herum alle Präsenzgottesdienste absagten, die Wetterprognosen immer schlechter wurden, ein paar Tage vorher noch die Anmeldepflicht auch für unsere Kurzgottesdienste im Außenbereich kam und die Infektionszahlen und Todesfälle permanent anstiegen, da waren wir oft nahe an der Überlegung, ob wir nicht auch alles einfach ausfallen lassen sollten.

Aber mein innerer Antrieb war so groß, dass ich nicht einfach die Hände in den Schoß legen wollte. Ich hatte Mitarbeiter an der Seite, die mich bei diesem Ringen nicht alleine gelassen haben. Ein Kirchenvorstand, der an dem Geplanten festhielt, Mitarbeiter, die den ganzen 4. Adventssonntag mit mir Anmeldungen druckten und sortierten, Gemeindehelferinnen, die sie von heute auf morgen austrugen. Thomas Stiegler, der sofort bereit war, mich mit seinen Bläsern am Hl. Abend zu begleiten –denn sonst wären die Kurzgottesdienste im Dorf ja gar nicht möglich gewesen, Bläserinnen und Bläser, die am Hl. Abend bei Kälte und Regenschauern Ensembles bildeten, Frank, der mich mit seinem Auto zu den 6 Stationen gefahren und sogar einen Schirmständer mit Mikrofon für mich entwickelte, Georg Prögel, der mir die Unterstützung der Feuerwehr zur Absicherung zusagte und an den einzelnen Orten Männer bereitstellte, Mitarbeiter aus unserem Sicherheitsteam, die bereit waren, mit dazu sein – es war einfach nur überwältigend. Nach jeder Station haben wir bei dem Lied: “Stille Nacht“ unsere Glocken geläutet. So viele haben sich Gedanken gemacht und mich bei dem Bemühen unterstützt, die frohe Botschaft von Weihnachten in unseren Ort hinauszutragen. Wir haben das, was erlaubt war, genutzt, um Weihnachtsfreude zu verbreiten.

Auch neue Wege sind wir gegangen, so dass jeder auf seine Weise dieses Weihnachtsfest die Möglichkeit hatte, die Weihnachtsbotschaft zu hören. Kurz vor Weihnachten wurde von einem engagierten Mitarbeiter- und Musikerteam auch noch eine Christmette zusammengestellt, die seit dem Hl. Abend von vielen Menschen bereits angesehen wurde. Zahlreiche begeisterte Rückmeldungen habe ich gestern schon erhalten. Es war mir ein tiefes inneres Anliegen, die Weihnachtbotschaft nicht im Dunkel der aktuellen Geschehnisse verstummen zu lassen, sondern sie als Kraftquelle, als Licht der Hoffnung am Heiligen Abend zu unseren Gemeindegliedern zu bringen.

Auch der Wichtelgottesdienst in der Scheune der Familie Lehr hat mir das Weihnachtsgeschehen in ganz anderer Art und Weise wieder neu erschlossen. Eigentlich ist man dem damaligen Geschehen in Bethlehem dort am nächsten. Überall roch es nach Heu und Stroh, die Scheunentore waren der Bühnenvorhang und mitten drin Fam. Meingast mit ihrem jüngsten Kind als heilige Familie. 

Es war kalt, der Himmel wolkenverhangen, der Platz vor der Halle matschig und voller Pfützen. Auch Maria und Josef hatten sich die Geburt ihres Kindes wohl anders vorgestellt. Aber da draußen, da waren wir ihnen irgendwie näher als in einer festlich geschmückten Kirche.

Die bewegenden Reaktionen der Gottesdienstbesucher haben mich darin bestätigt, dass dieses Licht gerade am H. Abend gesucht wurde und angekommen ist. Kinder, die strahlten, als die Scheunentore sich öffneten und die Hl. Familie mit Hirten und Königen zu sehen war, Eltern, die sich mit leuchtenden Augen bedankten, dass wir mit Wichtelgottesdienstteam dies alles ermöglicht haben. Manche haben uns Mitarbeitern nachher noch Geschenke an die Tür gestellt oder eine Karte in den Briefkasten geworfen. Auch auf unseren Touren durch das Dorf die gleiche Freude und Dankbarkeit an jeder Station, strahlende, bewegte Menschen, denen wir vom Licht in der Dunkelheit erzählten und sie mit Musik bis an die Tränen rührten.

Ich lud alle ein, sich in der Kirche ein Weihnachtslicht zu holen und viele suchten tatsächlich nach dem Gottesdienst den Weg hierher, freuten sich auch über die wunderschön geschmückte erleuchtete Kirche. An der Station in der Schelmschlagstraße wurde extra das Carport für mich ausgeräumt und ich kam mir vor wie das Christkind auf dem Christkindlesmarkt, das von seinem Balkon zu den andächtig stehenden Menschen gesprochen hat. Alle, Kleine und Große haben die Sicherheitsanforderungen befolgt, sich angemeldet und mich in dieser Weise auch bei dem riesigen Projekt unterstützt. Auch das Wetter hat uns entgegen der Prognosen eigentlich nie so richtig im Stich gelassen. Ich dachte immer, wenn ich da am Abend heimkomme, dann brauche ich nichts mehr. Aber es war genau das Gegenteil. Die vielen schönen Begegnungen und Gespräche, auch in zahlreichen Telefonaten bei den Anmeldungen vorab, die berührten Menschen, die oft klatschten und von den Balkonen zujubelten, haben mir so eine Energie verliehen, dass ich wie aufgewirbelt bei uns durch das Weihnachtszimmer lief. Das schmutzige Geschirr und das Chaos im Büro waren mir egal. Erst beim Anschauen unserer Christmette kam ich zur Ruhe. Unendliche Dankbarkeit, Staunen und unbeschreibliche Freue haben mir die Begegnungen mit den Menschen bereitet, denen ich gemeinsam mit unseren Mitarbeitern das Licht nach Hause in ihre Wohnungen gebracht habe.

 Wenn Menschen einander helfen, Lichtblicke im Leben zu entdecken, dann denke ich ist wirklich Weihnachten.

Es liegt an jedem von uns selbst einen Teil dazu beizutragen, dass diese Welt etwas heller wird.  Es ist besser eine Kerze anzuzünden, als über die Finsternis zu klagen.

Jesus Christus wird uns dabei helfen, denn er sagt: Ich bin das Licht der Welt, wer mir nachfolgt, der wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben.

Amen