Kirchgarten und Hungerturm

Die Schönberger Kirche ist von einem weitläufigen Garten umgeben. Er steht jedem offen, der mitten im Dorf und doch abseits des Lärms, die Ruhe und den besinnlichen Rückzug sucht oder über die Umfassungsmauern hinweg den Ausblick genießen möchte. Immer wieder bietet er einen besonderen Rahmen für Veranstaltungen wie unser Gemeindefest, Serenaden und den Glockenmarkt im Advent. Bei gutem Wetter ist er zudem eine gerne genutzte Ausweichmöglichkeit für die unterschiedlichen Gruppenangebote im Gemeindehaus.

Auch wenn der Kirchgarten wie ein alter Kirchhof wirkt, wurde der Ort niemals für Bestattungen verwendet. Er stellt vielmehr den genauen Grundriss des vorherigen Schlosses dar und ist bis heute von dessen Grundmauern eingefasst. In der Nordostecke versteckt sich hinter der Kirche der „Hungerturm“. Ein ehemaliger Eckturm des Alten Schlosses, der mit seinem Namen auf das Amtsgefängnis im Untergeschoss verweist. Weiter finden sich im Kirchgarten zwei alte Eisenhartgussglocken aus der Nachkriegszeit, die 2014 und 2017 stillgelegt werden mussten. Unter einer Abdeckung verbirgt sich der mittelalterliche Brunnenschacht der Schlossanlage.

Der Schönberger Hungerturm

Mittlerweile ist er ein Wahrzeichen der alten Schönberger Geschichte geworden, der mächtige Hungerturm, der an der Süd-Westseite des Kirchgartens direkt neben der Kirche über den Dächern von Schönberg in den Himmel ragt. Er ist ein Teil des Schönberger Schlosses, das bis 1899 auf dem Gelände unserer heutigen St. Jakobuskirche stand. Vermutlich stammt er aus dem 16. oder 17. Jahrhundert. Er war nie ein "einzelner Turm", sondern ein Eckturm. Seine Ebenen waren mit den jeweiligen Geschossen des Schlosses verbunden. Hungerturm FederzeichnungDer Keller war Teil des Amtsgefängnisses "der Heinzen" - woher der Name "Hungerturm" kommt. Darin saßen im 17./18. Jahrhundert nicht nur Verbrecher, sondern auch "Fornikanten" (unverheiratete, die des vorehelichen Geschlechtsverkehrs überführt und per Gerichtsbeschluss zur Heirat gezwungen wurden) vor und teilweise auch nach der kirchlichen Eheschließung ein. Das Erdgeschoss war wohl Teil der Stallungen.

Auch das Obergeschoss des Turmes schloss offen an den anliegenden Raum an. Bis ins 17. Jahrhundert hinein war es einer der privaten Wohnräume der Amtmannsfamilie. Von 1694 bis 1704 befanden sich hier die Frauen-Gemächer der Gräfin Sophie Christiane von Wolfenstein, "Markgräfin" von Brandenburg-Kulmbach, die darin 7 Kinder gebar - darunter am 28. November 1700 die spätere Königin von Dänemark und Norwegen, Prinzessin Sophia Magdalena.

Nach dem Verkauf des Schlosses 1798 an Privatpersonen und dessen Teilung gehörte der Hungerturm zum "Scheunenteil" des Schlosses.
Als der Zimmermeister Taubmann mit dem Abbruch des Schlosses beauftragt war, entschloss man sich während der Arbeiten dazu, das Ecktürmchen "Hungerturm" mit der Umfassungsmauer stehen zu lassen. Nach Abbruch der Schlossflügel wurde der offene Innenteil des Turmes mit Sandstein verschlossen. Erst dadurch entstand das freistehende Türmchen, so wie wir es heute kennen.
Lange Jahre fristete es ein einsames und verlassenes Dasein. Im Jahr 2007 wurde es durch die fleißigen Handwerker unseres Kirchgartenteams zu neuem Leben erweckt. Bis dahin war es seit Jahren das „größte und teuerste Gartenhaus“, wie ein Handwerker einst dieses altehrwürdige Gebäude bezeichnete. Eine große Anzahl von Tauben war in dem spitzen Dach eingezogen und ihre Hinterlassenschaften verdreckten die Rasenmäher und Gartengeräte für den Kirchgarten, die dort seit Jahren untergebracht waren. Im Innenraum war alles marode und verschmutzt. Der damalige Kirchenvorstand beschloss, dass der Turm zumindest taubendicht gemacht werden sollte, weil man für andere Renovierungen nicht die nötigen finanziellen Mittel hatte. Das Kirchgartenteam wollte sich darum kümmern und hat am 26.06.2007 mit den Arbeiten begonnen. Mit großem Eifer machte man sich ans Werk und hat nebenbei auch den gesamten Innenraum mit erneuert. Jeder der Handwerker trug etwas dazu bei und auch viele Schönberger spendeten Baumaterialien und was eben so gerade gebraucht wurde. Alle staunten mächtig über das Endergebnis, das am 28.12.2007 eingeweiht wurde. Ein gemütliches Hungerturmstübchen, in dem sich das Team bis zu Corona-Zeiten regelmäßig traf, um gemütlich zusammen zu sitzen, Brotzeit zu machen, das alte Volksliedgut zu pflegen, neue Bauprojekte in der Gemeinde zu planen und zusammen mit der Pfarrerin über Gott und die Welt zu sprechen.
Heute strahlt einem der altehrwürdige Turm in seiner neuen Schönheit entgegen, wenn man die Straße von Lauf herauf nach Schönberg fährt. Viele Brautpaare und andere Festgesellschaften lassen sich vor dem Schönberger Wahrzeichen fotografieren. Bei unseren Außengottesdiensten bietet er eine wunderschöne Kulisse.
Herzlichen Dank an unser Kirchgartenteam, das sich in besonderer Weise für den Erhalt dieses Turmes eingesetzt hat.

Hungerturmlied

Unser Hungerturm ist eine
Feine Sach ist eine Wucht.
Taubendicht sollten wir ihn
machen, heute können wir drüber
lachen, denn wir haben d’raus
viel mehr gemacht mit un’srer Kraft!

Unser Hungerturm, das ist ein toller
Platz, es ist ein Schatz.
Viele fleißige Hände, brachten
dieses Werk flott zu Ende und nach
einem halben Jahr war’s wirklich wahr.

Unser Hungerturm, das ist ein Edelstein und
das ist fein. Drinnen singt man schöne
Lieder, stieg so mancher rauf
und nieder, selbst Frau Bischöfin
war sofort entzückt von diesem Fleck.

Text und Melodie: Hermann Buchner

Hungerturm mit Rosenbeet

Abschied von Hermann Buchner

Für Hermann Buchner war dieser Ort im Schönberger Kirchgarten etwas ganz Besonderes. All seine Kraft und große handwerkliche Begabung hat er hier eingesetzt und einen „Edelstein“ daraus gemacht. Auch sonst hat er sich über viele Jahre um unsere kirchlichen Gebäude bemüht. Ob Friedhof, Kirche, Kirchgarten, Gemeindehaus, Pfarrhaus, Kindergarten überall war er dabei und brachte seine vielfältigen Fähigkeiten mit ein. Zusammen mit seinen Freunden vom Kirchgartenteam wurden unzählige Bauprojekte fertiggestellt. In dieser Gemeinschaft blühten alle zu Höchstleistungen und verbrachten unvergesslich schöne Momente. Am 23. März ist Hermann Buchner im Alter von 86 Jahren verstorben. Wir danken ihm von Herzen für alle Unterstützung, die wir durch ihn erleben durften, für seinen unbeschreiblichen, engagierten Einsatz in unserer Gemeinde und viele schöne Stunden, die wir gemeinsam verbringen konnten im Schatten der Schönberger Kirche, die für ihn immer eine Trost- und Kraftquelle für sein Leben war. Sein Lied wird uns weiterhin an diese schöne gemeinsame Zeit erinnern. Gott möge ihn geleiten in sein himmlisches Reich – so wie er es geglaubt hat. Er tröste auch seine Angehörigen und alle, die um ihn trauern.

Person auf Leiter